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"Meine Mutter und die Demenz"

02.02.2018 • Hamburg

„Meine Mutter war schon länger etwas verwirrt. Wir merkten es an Kleinigkeiten. Fiel es ihr früher spielend leicht, zwanzig Termine gleichzeitig im Auge zu behalten, den Haushalt ganz nebenbei zu schmeißen und stets für ihre Enkelkinder da zu sein, so war auf einmal das Erinnern von drei Dingen, die sie einkaufen wollte, schwierig. Sie fing an, Wörter zu verwechseln und vergaß gerne mal die Wäsche in der Maschine. Als die Diagnose des Arztes lautete „Demenz“, war klar: Meine Mutter zieht zu uns. 

Der Anfang war nicht leicht. So sehr sich unsere Kinder auch freuten, Oma bei sich zu haben, so sehr erschreckte es sie, ihre sonst so fitte Großmutter dabei zu ertappen, wie sie planlos durchs Haus lief und in ihre Sätze wirre Worte einband. Doch auch meine Mutter hatte keine leichte Zeit. Ihr war bewusst, dass sie vergisst, und sie vergaß noch nicht genug, um zu vergessen, dass sie vergaß. Das machte sie oftmals traurig, und manchmal ebenso wütend. Auch diese Gefühlsregungen überforderten meine Kinder zunächst. 

Mein Mann und ich achteten darauf, mit ihnen ausgiebig über Omas Situation zu sprechen und ihnen so das Verstehen zu erleichtern. Aber auch für uns war die Zeit nicht leicht. Nicht nur, dass ich meiner eigenen Mutter beim Schwinden ihrer Persönlichkeit zusah - ich wurde auch Projektionsfläche ihrer Wut, weil ich diejenige war, die 24 Stunden am Tag um sie herum war. Dazu kam die physische Belastung, den Haushalt, meine Mutter und die Kinder unter einen Hut zu bekommen. Das Chaos zog mit ein. Meine Mutter hortete frische Socken unterm Kopfkissen, winkte dem Mann in der Fernsehwerbung zu und spülte saubere Teller. Es wurde immer wichtiger, den Humor nicht zu verlieren.

„Also stellte ich mich auf Ihre Unberechenbarkeit ein“

Warum ich all das erzähle? Ich glaube, vielen pflegenden Angehörigen geht es so wie mir. Man sieht sich einer Situation gegenüber, die einen glauben lässt, den Verstand zu verlieren. Und doch muss man die Kontrolle und Beherrschung behalten. Es fiel mir leichter, als ich lernte, loszulassen. Ich fing an, die Dinge nicht mehr ganz so rational zu betrachten. Meine Mutter vergaß. Sie konnte sich nicht mehr auf mein und unser Leben einstellen. Also stellte ich mich auf ihre Unberechenbarkeit ein und verabschiedete mich von dem Gedanken, alles kontrollieren zu können. Dies schien auch auf meine Kinder abzufärben, sodass sie nicht mehr hinterfragten, warum Oma eigentlich tut, was sie tut, sondern ihr nur noch liebevoll und mit Verständnis begegneten. Und all diese Reaktionen auf ihr Verhalten entspannte letzten Endes auch meine Mutter. 

In dieser Phase lernte ich, dass ihre Persönlichkeit nicht wirklich dahinschwand. Sie erinnerte sich nicht mehr an vieles, sie machte wirre Dinge und konnte sich kaum noch um sich selbst kümmern. Aber als die Anspannung von ihr abfiel und sie sich durch unser Verhalten nicht mehr determiniert fühlte, begegnete sie ihrer Familie mit Liebe, so wie wir sie immer kannten. Selbst dann, als sie mit Namen wild um sich schmiss und auch mein Gesicht nicht immer zu erkennen schien. Mit der Zeit wurde es leichter, und letzten Endes hatten wir auch in schwierigen Zeiten als Familie noch immer eine gute Zeit.

All dies ist nun schon eine Weile her. Aber ich weiß, dass viele Töchter und Söhne in einer ähnlichen Situation stecken und möchte sie ermuntern, nicht die Nerven zu verlieren. Wenn man eine Situation nicht beherrschen kann, muss man sie vielleicht einfach annehmen und das Beste aus ihr machen. Und uns hat diese kräftezehrende Phase doch noch eine wundervolle Zeit mit meiner Mutter und der Oma meiner Kinder beschert, für die wir auch im Nachhinein alle sehr dankbar sind.“

 

Zahlreiche pflegende Angehörige sehen sich diesen und ähnlichen Herausforderungen Tag für Tag gegenüber. Wir haben hohen Respekt vor euren Leistungen und dem Engagement, das ihr euren Liebsten entgegen bringt. Wir wissen, wie viel eine solche Lebensphase von euch fordert und verstehen eure Bedürfnisse. Besonders in so fordernden Phasen kann es zur Überlastung und Überforderung der Pflegenden kommen. Deshalb empfehlen wir jedem, der Entlastung benötigt, sich diese auch zu holen. Im Rahmen der Verhinderungspflege können euch beispielsweise unsere kompetenten BetreuerInnen zeitweise entlasten, damit ihr wieder zu Kräften kommen könnt.

Ihr wünscht euch eine Beratung zum Thema Verhinderungspflege und möchtet über Möglichkeiten der Entlastung sprechen? Ruft uns gern ganz unverbindlich an: 040 3611 19-0