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„Jede Woche ein neuer Beginn...

17.01.2019 • Hamburg

Ein Neustart tut in jedem Alter gut. Ob neues Jahr, neue Woche oder neuer Tag ist dabei ganz egal. Den Startschuss setzen wir. Und ist es nicht so, dass das Warten auf einen Neuanfang uns daran hindert, vorher etwas zu ändern? Klaut es uns nicht eher die Zeit, die wir bereits nutzen könnten, um etwas für uns besser zu machen, während wir auf den Zeitpunkt für einen Neustart warten? Wir stehen ein letztes Quartal noch durch, bis endlich Silvester ist, wir stehen einen doofen Monat, eine nicht so gute Woche durch, damit sie endlich rum ist, die eigentlich so wertvolle Zeit. Anstatt genau dann durchzuatmen und neu anzufangen, wenn wir es benötigen.

Ich bin 69. Als ich mit meinem Job aufhörte und Rentnerin wurde, hatte ich das Gefühl, zunächst Zeit abzusitzen. Ich vertrieb sie mir mit Unterhaltung, mit Dingen, die mich nicht wirklich erfreuten, damit sie verstrich. Bis ich irgendwann zu viel bekam und mir dachte: Das kann es doch nicht sein! Besonders in meinem Alter sollte ich die Zeit genießen. Ich weiß doch, wie kostbar sie ist. Warum also verschwende ich sie? Ist der Ruhestand nicht dafür da, endlich genügend Zeit für die Dinge zu haben, die man gern tun möchte?

Ich wartete aufs Wochenende, auf die Zeit mit meinen Enkelkindern, auf die nächste Woche. Worauf auch immer, ich schien irgendwie auf eine Zeiteinteilung von außen zu achten.

Bei einer zufälligen Begegnung lernte ich eine junge Frau kennen, die als „Lebenscoach“ arbeitet und mir erzählte, dass sie mehr Energie in ihre Woche bringe, indem sie sich kleine Ziele setze und sich ganz bewusst an einen Neustart mache, wann immer ihr das Gefühl entgegentritt, es laufe zu viel schief.

Ich versuchte das Konzept auf mich zu übertragen. Ich hatte ja keinen stressigen Job mehr, und nicht allzu viel Verantwortung, somit wusste ich nicht, wo alles hätte schief laufen können. Aber es lief eben auch nicht gut. Es lief irgendwie überhaupt nicht. Also entschied ich mich für einen Neustart.

Tolles Wort, aber wie soll das eigentlich aussehen, so ein Neustart? Erstmal identifizierte ich, was mir nicht gut tat und hörte damit auf. Mit dem Zeit-Verstreichen-Lassen, mit dem Warten. Dann überlegte ich mir, was mir gut tun würde. Das ist sicherlich für jeden etwas Anderes. Für mich war es die Herausforderung, etwas Neues zu lernen. Das war schon immer so. Also setzte ich mir Neustarts, verbunden mit neuen Zielen.

Es schlich sich schnell ein wöchentlicher Rhythmus ein, der meinen Bedürfnisse zu entsprechen schien. Ich entwickelte wie von allein das Bedürfnis, mich einmal die Woche darauf  zu besinnen, was ich aktuell gut finde, und was nicht, und daraufhin Änderungen einzuleiten. Der Wechsel wurde sozusagen zu einer positiven Sucht, die mir immer mehr Energie verlieh. Und so probierte ich einmal die Woche etwas Neues aus.

Das musste nichts Großes sein. Ich wanderte neue Wege, probierte ein paar Kurse, oder einfach mal neue Rezepte in der Küche aus, erkundete einen Stadtteil, den ich trotz vieler Jahre im wunderschönen Hamburg noch nicht so richtig kannte. Und ganz automatisch entkam ich so dem Trott, der mich runterzuziehen schien. Ich nahm dem Alltag das Alltägliche, wenn man so will. Weil es genau das ist, was ich benötigte. Jetzt ist es in etwa ein Neustart pro Woche, der mir immer mehr Frische und Energie gibt. Und es fühlt sich verdammt gut an.

Natürlich heißt Neustart nicht, dass alles anders werden muss. Für mich geht es vielmehr darum, mir bewusst zu machen, was mir gefällt, und was nicht, und was ich brauche, damit es mir noch besser geht.

Warum ich das teilen möchte? Weil ich glaube, dass es vielen Menschen, insbesondere auch in meinem Alter, so geht. Man versinkt leicht in einer nicht aktiv gewählten Routine, die in Wirklichkeit nicht glücklich macht. Da heraus zu kommen, ist schwierig. Ich glaube, mit einem aktiv gesetzten Startpunkt bei Unzufriedenheit wird es einfacher. Probiert es doch mal aus. Oftmals hilft es auch, sich aufzuschreiben, was eigentlich fehlt oder stört, oder einfach nicht glücklich macht, um es nicht aus Gewohnheit zu wiederholen, sondern es ganz einfach mit etwas anderem zu ersetzen.“