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Mit Babyblues durch die ersten Wochen - ich war noch nie so müde.

27.02.2019 • Hamburg

„Als meine Tochter auf die Welt kam, hab ich geweint. Vor Freude - dachten die anderen. Aber ich war mir nicht sicher. Ich konnte die Gefühle in mir kaum sortieren. Da war Liebe, aber auch viel zu viel Angst. Ich war voller Panik, alles könne schief laufen. Ich dachte und dachte, aber was ich fühlte, wusste ich nicht. Außer das: Ich war so müde.

Wir kamen nach wenigen Tagen nach Hause und waren froh unsere Ruhe zu haben. So ein Krankenhaus ist nunmal nicht so erholsam wie alle denken. Es ist laut und wuselig, und auch unsere frisch geschlüpfte Tochter schien nicht gerade begeistert von den ständigen Untersuchungen, dem Geschrei der anderen Babies und meiner wachsenden Nervosität.

Doch zuhause angekommen standen noch einige Besuche an, schließlich wollten all unsere Freunde und der Teil der Familie, der es nicht ins Krankenhaus geschafft hat, die kleine Maus ebenfalls so schnell wie möglich sehen. Und diese Besuche gaben mir den Rest.

Dabei meinten es alle nur gut, und freuten sich aufrichtig. Das Problem war nur: Sie freuten sich mehr als ich. Während sie die Kleine hochnahmen, anlächelten und Freudentänze aufführten, wurde ich von Sorgen zerfressen und fühlte mich erschlagen. Um mich herum blubberte alberne Babysprache, emotionale Übertreibung, und in mir rang mein altes Ich mit der frischgebackenen Mutter, die sich gefälligst über alle Maße freuen sollte.

Ich ließ die Besuche über mich ergehen und versorgte unsere Tochter wie es eine Mutter tun sollte. Nur hatte ich die Ahnung, dass ich mich nicht so fühlte, wie sich eine Mutter fühlen sollte.

 

Ich erzählte meinem Mann von meinen Ängsten und dem ausbleibenden Glücksgefühl. Er war besorgt, redete mir gut zu und schlug kurzerhand vier weitere Wochen Zeit mit der Familie bei seinem Arbeitgeber heraus. Und obwohl mein Mann viel Zeit bei mir war, konnte ich keine Erleichterung spüren. Außerdem wusste ich: Irgendwann musste auch er wieder zur Arbeit, und irgendwann musste ich mich normal fühlen, musste ich glücklich sein.

Wir entschieden uns, Hilfe mit an Bord zu holen. Mein Arzt empfiehl den Notmütterdienst, der kurz darauf eine nette junge Betreuerin zu uns schickte, die mich durch meine überforderten Wochen begleitete. In ihrem Tun lag so viel liebevolle Routine, dass ich anfing, mich besser zu fühlen. Ich schien innerlich zu verstehen, dass alles werden würde - und die Panik wurde Stück für Stück abgelöst.

Ich wusste, dass ich über den Berg bin, als ich meine Tochter einige Zeit später ansah und einfach nur lächeln musste. Ich dachte: Wir schaffen das zusammen, mein Mann, meine Tochter und ich. Eine echte Familie. Nicht wie aus dem Bilderbuch, sondern eben wie aus dem Leben. Mit Startschwierigkeiten, aber mit den besten Zeiten noch vor sich.

 

Ich weiß noch genau, dass es schmerzlich war, Hilfe anzunehmen. Ich kam mir dumm vor. Als müsse ich mir etwas erklären lassen, das jedes Kind weiß. Als müsse ich mir die natürlichste Sache der Welt zeigen lassen. Und ich weiß, dass ich falsch lag. Denn Mutter zu sein ist, besonders beim ersten Kind, doch auch die schwierigste und anspruchsvollste Sache der Welt. Damit auch ich dies einsah, war die Herangehensweise meines Mannes genau richtig. Er sagte nicht „Stell dich nicht so an“ oder „Du machst das schon“, sondern er ging mit mir gemeinsam, sprach mit mir gemeinsam mit dem Arzt, und lebte sich gemeinsam mit mir und unserer Tochter in die neue Situation und die Zeit mit Unterstützung ein.

 

In der Zeit, in der ich betroffen war, hätte ich niemandem von meiner Lage erzählt außer meinem Mann und meinem Arzt. Und selbst das kostete mich ordentlich Überwindung. Heute weiß ich, dass das Quatsch war. Redet darüber, wie ihr euch fühlt und holt euch Unterstützung, wenn ihr überfordert seid. Mutter zu sein ist alles andere als eine Kleinigkeit!

Ich weiß, dass es vielen Müttern so geht wie mir. Und ich kann euch nur ermutigen: Lasst euch helfen. Denn niemand muss durch eine solche Zeit alleine. Lasst euch entlasten, damit eure Überforderung nicht in einer Depression endet und ihr die Kurve zum glücklichen Familienstart bekommt.“