Wenn die Unterstützung im Alltag wegfällt
Oktober 19, 2026
Die Bundesregierung plant, den Entlastungsbetrag bei Pflegegrad 1 zu streichen. Damit bringt sie genau jene Menschen in Not, die auf unbürokratische Hilfe im Alltag angewiesen sind. Der Notmütterdienst Familien- und Seniorenhilfe e.V. klärt auf.
Im Alltag sind es gerade die kleinen Hilfen, die einen großen Unterschied machen. Unterstützung im Haushalt, bei alltäglichen Aufgaben oder beim Einkaufen unterstützen Menschen dabei, ihre Selbstständigkeit möglichst lange zu bewahren und dabei in ihrer gewohnten Umgebung leben zu können. Familien werden hierdurch aktiv entlastet.
Doch genau diese Unterstützung könnte künftig schwerer zugänglich werden: Die Bundesregierung plant, den Entlastungsbetrag von 131 Euro monatlich für Menschen mit Pflegegrad 1 zu streichen.
Was auf den ersten Blick nach einer einzelnen Leistung klingt, kann für die Betroffenen einen erheblichen Unterschied machen. Denn Menschen mit Pflegegrad 1 benötigen häufig noch keine umfassende Pflege. Was ihnen hilft, ist vielmehr Unterstützung dort, wo der Alltag zunehmend schwieriger wird: beim Einkaufen, bei der Hausarbeit oder bei anderen alltäglichen Aufgaben.
Genau für solche Entlastung kann der Entlastungsbetrag genutzt werden. Er ermöglicht es, Hilfe in Anspruch zu nehmen, ohne dass bereits ein umfassender Pflegebedarf bestehen muss.
Warum niedrigschwellige Alltagshilfe so wichtig ist
Wer frühzeitig Unterstützung erhält, kann den eigenen Alltag länger selbstständig gestalten. Hilfe im Haushalt oder bei alltäglichen Erledigungen kann dazu beitragen, die eigene Lebensqualität zu erhalten und Angehörige zu entlasten.
Der Notmütterdienst e.V. warnt deshalb eindringlich vor den geplanten Streichungen: Einerseits wird in der Politik immer wieder die Bedeutung von Prävention und dem möglichst langen Erhalt der Selbstständigkeit betont. Andererseits soll ausgerechnet eine Leistung wegfallen, mit der Menschen bereits in einer frühen Phase ihres Unterstützungsbedarfs Hilfe organisieren können.
Ein Wegfall des Entlastungsbetrags betrifft nicht nur die pflegebedürftigen Menschen selbst. Auch ihre Angehörigen können die Folgen zu spüren bekommen.Wenn finanzielle Unterstützung für Hilfe im Alltag wegfällt, müssen Familien mehr Aufgaben selbst übernehmen. Das bedeutet zusätzliche Zeit, Organisation und Verantwortung – neben Beruf, Familie und den eigenen Verpflichtungen.
Nicht alle Angehörigen können diese zusätzliche Belastung auffangen. Unterstützung im Alltag ist deshalb nicht nur für die pflegebedürftige Person wichtig. Sie trägt auch dazu bei, Angehörige zu entlasten und die Versorgung langfristig zu sichern.
Notmütterdienst fordert: Unterstützung muss gesichert bleiben!
Für Menschen mit Pflegegrad 1 ist der Entlastungsbetrag von 131 Euro im Monat eine wichtige laufende Leistung. Sein Wegfall würde gerade jene Unterstützung erschweren, die im Alltag einen konkreten Unterschied machen kann.
Aus Sicht des Notmütterdienstes muss deshalb auch die frühe Phase eines Unterstützungsbedarfs stärker berücksichtigt werden. Hilfe sollte nicht erst dann möglich sein, wenn der Alltag ohne fremde Unterstützung kaum noch zu bewältigen ist.
Wir sind seit 1969 im Einsatz, um Menschen in ihrem eigenen Zuhause zu unterstützen. Deshalb wissen wir aus jahrzehntelanger Erfahrung: Selbstständigkeit zu erhalten bedeutet, rechtzeitig Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Und pflegende Angehörige zu entlasten bedeutet, sie mit den Aufgaben des Alltags nicht allein zu lassen.
Gerne können Sie unseren Aufruf teilen! Nennen Sie dabei bitte die Quelle: Notmütterdienst e.V.



